Bilder setzen dort an, wo Sprache an ihre Grenzen kommt

Im Panel “Zwischen Fakten und Fiktion” wurde der Einsatz und Gebrauch von Infografiken und Comicbildern diskutiert. Dabei stellten der Journalist Michael Furger und Infografikerin Marina Bräm, von der NZZ am Sonntag, sowie der freischaffende Illustrator Melk Thalmann, ihr Projekt, das Dossier „Der Grosse Krieg“, zur Veranschaulichung vor. Comicbilder finden immer mehr Einzug in den Journalismus, doch was unterscheidet sie von den klassischen Infografiken? Im Gegensatz zu Comicbildern sind Infografiken fakten- und zahlenlastiger. Sie transportieren eine scheinbare Objektivität und haben eine nüchterne Erscheinung. Bilder hingegen knüpfen an Emotionen an und machen etwas sichtbar, was Wörter auf Anhieb nicht können. Wörter sind beispielsweise besser bei Argumentationen einzusetzen. Die Daten und Fakten von Comicbildern weisen subjektive Züge auf und sind zudem zeitaufwändiger. Bilder selektionieren, fokussieren und emotionalisieren, um bestimmte Aussagen zu machen. Mit Comics können auch reale Geschehnisse dargestellt werden.

Die NZZ am Sonntag veröffentlichte zum 100. Jahrestags des 1. Weltkrieges ein Dossier mit Comics, Infografiken und Text. Was sich als grosses Projekt entpuppte: insgesamt arbeiteten die Hauptverantwortlichen Marina Bräm und Michael Furger während 25 Tagen, 200 Stunden am 4-seitigen Sonderwerk. IMG_1334 „Man muss einen Chefredaktor haben, der so etwas mitmacht“, scherzte Michael Furger. Doch wieso dieser grosse Aufwand? Was war die Motivation hinter diesem Projekt? Da man dem Publikum die Geschichte des Ersten Weltkrieges näher bringen wollte, nutzte man auf Grafik- anstatt auf Textelemente. Da man nicht auf gute historische Bilder zurückgreifen wollte oder konnte, setzte man auf Dramaturgie. Dies bedeutete, dass die Bilder von Hand gezeichnet werden mussten. Dieser Aufgabe nahm sich der freischaffende Illustrator Melk Thalmann an. Eine grosse Herausforderung war, dass man das Thema durch den Zeichnungsstil nicht verharmlost oder gar ins Lächerliche zieht, sagt er. Weiter war eine umfassende Recherche nötig, da nur beschränkt Vorlagen vorhanden waren. IMG_1326 Wichtig sind Illustrationen vor allem dann, wenn keine realen oder brauchbaren Fotografien existieren. Beispielsweise bei Gerichtsverhandlungen, wo oft keine Kameras erlaubt sind. Sie lockern Texte auf und können „trockene“ Themen ansprechender rüber bringen. „Die Illustration ist eine Erholung fürs Auge“, meint Michael Furger. Die Kombination aus Comic und Infografik können nur gezielt eingesetzt werden, wenn Daten sich visualisieren lassen. „Wir warten auf eine nächste Gelegenheit für ein solches Projekt“, sagt Furger. Man wartet nur auf einen geeigneten Anlass. Die NZZ am Sonntag ist sich sicher, dass dieses Format Zukunft hat. Die Reaktionen waren ausschliesslich positiv und es wurde eine Sonderauflage gedruckt. Ausserdem werden immer wieder Wege gesucht, um junge Leser anzusprechen und vielleicht ist der Comicjournalismus die Antwort darauf.

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