#GeriGate – Eigentlich können wir’s ja nicht mehr hören

Bei der Diskussion am Journalismus Tag 2014 zum Thema Geri Müller merkte man, dass die Gesprächsteilnehmer bereits mehr als einmal darüber diskutiert haben oder wie Patrik Müller sagt „77 Mal“. Hannes Britschgi vom Verein Qualität im Journalismus leitete das Panel und befand sich öfters in einer brenzligen Situation. Er versuchte das Zusammenspiel der einzelnen Zeitungen übersichtlich darzustellen und herauszufiltern, wieso die Chefredakteure die Story als relevant angesehen haben. Hauptsächlich wurde in der Runde aber eher darauf eingegangen, wie die einzelnen Journalisten und der Rechtsanwalt von Geri Müller auf den Fall reagiert haben. Es entstand eine hitzige Debatte über Moral im Journalismus.

Geschrieben von: Carole Zwahlen, Rebecca Veiga, Roman Michel, Elio Vegliante, Nicolas Ledergerber, Fabian Tschamper

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Für Patrik Müller, Chefredaktor von der „Schweiz am Sonntag“ war klar, dass die öffentliche Relevanz in diesem Fall mehr Wert hatte als die Intimsphäre von Geri Müller. Dies hatte ihn dazu gebracht, die Story trotz persönlichem Kontakt zu veröffentlichen. Diese Arbeitseinstellung stösst Geri Müllers Rechtsanwalt Andreas Meili sauer auf.

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Patrik Müller hätte Andreas Meili am Abend, bevor der Artikel erschien, benachrichtigen müssen. Wie es Hannes Britschgi nannte, hat er aber den altbekannten „Journalisten-Buebe-Trick“ angewendet: Patrik Müller habe erst am Abend spät angerufen, konnte ihn aber nicht mehr erreichen. Meili sieht zwar, dass viele Ingredienzen für einen Medienbeitrag vorhanden sind, appelliert aber an den Schutz der Privatsphäre.

Auch Arthur Rutishauser, Chefredaktor der „SonntagsZeitung“ schliesst sich diesem Statement von Andreas Meili an, obwohl er offen zugab Geri Müllers politisches Tun und Gerede nicht zu mögen.

Michèle Binswanger vom „Tagesanzeiger“ verurteilt Patrik Müller noch schärfer und gibt zu, dass sie Mitleid mit Geri Müller hatte, als sie den Artikel in der „Schweiz am Sonntag” las und nannte ihn ein „Armes Schwein“. Man habe Geri öffentlich die Hose runtergelassen. (Anm. der Red. […] hatte er vorher schon selber gemacht.)

René Lüchinger, Chefredaktor vom „Blick“ veröffentlichte die Story erst im August, obwohl er die Informationen bereits im Frühjahr erhalten hatte. Er traf sich sogar mit der Chatpartnerin von Geri Müller, entschied sich aber mangels Beweisen, gegen eine Veröffentlichung – trotz „Boulevard-Herz“. Nach dem Gang an die Öffentlichkeit durch die „Schweiz am Sonntag” klemmte er sich aber höchstpersönliches hinters Keyboard um Kontroverses beizusteuern.

„Die Wucht der Medienwalze war beeindruckend anzusehen“ – Das Fazit von Patrik Müller zum #GeriGate.

Unserer Meinung nach fand sich nicht viel Neues im heutigen Gespräch. Das Thema war und ist ausgelutscht. Das einzig Interessante war das Schauspiel der Diskussionsrunde, welches einem Stammtisch-Gespräch glich. Hannes Britschgis Einstiegssatz: “Eigentlich können wir’s ja nicht mehr hören”, kann also gut und gern auch als Schlussfazit verwendet werden.

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