Im Auslandsjournalismus nimmt die Themenvielfalt ab

Redner

„Wenn es in den Medien einen aktuellen Megatrend gibt, dann ist es die spektakuläre Wiedergeburt der Auslandberichterstattung“, schrieb Kurt W. Zimmermann Ende September in der Weltwoche. Diese Aussage nahm Markus Mugglin, Leiter der Veranstaltung „Auslandsjournalismus – oder was davon übrig bleibt“ heute Vormittag am Journalismus-Tag 2014 als Ausgangspunkt für die Diskussion. Mugglin, der 25 Jahre lang in verschiedenen Funktionen beim Radio SRF tätig war, diskutierte das Thema mit Lukas Scharf, Ressortleiter Ausland bei der Neuen Luzerner Zeitung, Helmut Scheben, der bis vor zwei Jahren als Auslandsredaktor bei der Tagesschau arbeitete und Linards Udris, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich.

„Für mich ist die Auslandsberichterstattung eher ein Strohfeuer“, sagte Linards Udris. Eine Renaissance sehe er weniger. Heutzutage sei es so, dass die Vielfältigkeit der Auslandsberichterstattung abnehme als auch deren Anteil sinke. Dies zeige eine Analyse der vergangenen 15 Jahre. Im Gegensatz dazu hätten Berichte aus dem Ausland auf Frontseiten von Zeitungen zugenommen. „Hier ist zu beobachten, dass man sich in der Berichterstattung auf einige wenige Themen, wie beispielsweise die Ukraine-Krise konzentriert.“
Spitzenreiter in der Auslandsberichterstattung seien das öffentliche Radio sowie die NZZ. Dagegen würden Boulevard- und Gratiszeitungen nur spärlich über das Ausland berichten. „Der Anteil der Auslandsberichterstattung ist in der NZZ 25mal grösser als bei 20 Minuten“, sagt Udris.

Zudem gebe es qualitativ grosse Unterschiede. Udris kritisiert, dass 20 Minuten fast ausschliesslich Agenturmeldungen abdrucke. Regionalzeitungen würden dagegen vermehrt mit freien Korrespondenten arbeiten. Gegen die Aussage, dass Argenturmeldungen per se schlecht seien, wehrt sich Bernhard Maissen, Chefredaktor der sda.

sda

In einem besonderen Fokus stand an der Veranstaltung die Frage, wie nahe die Auslandberichterstattung der tatsächlichen Realität in den Krisengebieten kommt.
Dazu meint Helmut Scheben, langjähriger Redaktor und Reporter des Schweizer Fernsehens:
“Früher dachte man, durch die technologisch möglich gewordene schnellere Kommunikation der Wahrheit näher zu kommen. Tatsächlich entfernt man sich von ihr.“

Wie in allen journalistischen Bereichen bleibt in den Redaktionen kaum Zeit zur Faktenüberprüfung. Gut zu beobachten ist dies gemäss Scheben in den Tagesschauen. Dort herrscht ein wahres Wettrennen, wer als erster die besten Bilder zeigen kann. Dabei ist oft unklar, wie vertrauenswürdig die Bildquelle ist und ob die Bilder tatsächlich das Behauptete zeigen. In den beiden Golfkriegen zum Beispiel war die Berichterstattung aus den Konfliktzonen nicht frei, sondern einer scharfen und effizienten Zensur durch die amerikanische Armee unterworfen.
Ein weiteres Problem sei, dass Journalisten oft wenig darüber reflektieren was für Interessen hinter den verschiedenen Aussagen von Augenzeugen stehen. So stünden etwa Flüchtlingslager nicht selten unter der Kontrolle der einen oder anderen Kriegspartei und die Flüchtlingsberichte seien entsprechend propagandistisch aufbereitet. Er appelliert deshalb speziell an den journalistischen Nachwuchs, aufmerksam und kritisch zu sein. Man müsse sich bei jeder Information fragen, wer aus welchen Interessen hinter dieser Meldung stecken könnte.

Lukas Scharpf, Ressortleiter Ausland bei der Neuen Luzerner Zeitung, meint, dass das Abdrucken von Texten eine Vertrauenssache sei. Wichtiger als fünf Korrespondenten zu haben, wäre es die persönliche Beziehung zu einem einzelnen, ausgezeichneten Korrespondenten zu pflegen. Auch so können Manipulationen durch äussere Interessen verhindert werden und Qualitätsjournalimus entstehen.

 

 

Von:

Tabea Bützer

Rahel Haag

Marlen Hämmerli

Manuel Fasol

Roger Schaad

 

 

 

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