Journalismus – Qualität trotz Zeitdruck

Seit der digitalen Revolution stellt sich im Journalismus eine immer wiederkehrenden Frage. Leidet die Qualität des Journalismus, speziell im Onlinebereich, unter dem grösser werdenden Zeitdruck? Ist es inzwischen wichtiger eine Geschichte vor der Konkurrenz zu bringen als sie qualitativ hochstehend umzusetzen? Christoph Lenz (Blick), Mark Dittli (Finanz und Wirtschaft) und Philipp Loser (Tages-Anzeiger) sind da anderer Meinung.

Von Claudia Sägesser, Ria Schäfli und Manuel Friederich

Beim Blick verfasst Christoph Lenz ungefähr einen Artikel pro Tag. Morgens senden die Blick-Redaktoren ihr „Menü“ mit möglichen Artikeln nach Zürich, danach muss die Entscheidung abgewartet werden. Es kann also sein, dass um vier Uhr Nachmittags die Rückmeldung kommt: „Das wird die Titelstory“ oder „das kommt nicht ins Blatt“. So sei aufgrund der Ungewissheit schon ein gewisse Anspannung vorhanden.

Philipp Loser, meint, dass er so viel Zeit erhält, wie er benötige. Der Druck sei aber im Online-Journalismus viel höher. Ein guter Artikel reicht für Tagi-Online heute. Früher schrieb er selten vier Artikel am Tag.
Was zusätzlich Zeit raubt, seien die vielen Augen, die den Text vor Veröffentlichung gesehen haben müssen. Bei einem Online-Artikel sind es immerhin nur vier Personen. Bevor ein Artikel in die Print Ausgabe kommt wird dieser von zehn verschiedenen Personen gegengelesen und korrigiert.

Der Tenor der Gruppe macht aber Mut. Nachdem am heutigen Tag doch viel über die guten alten Zeiten sinniert wurde, war diese Diskussion überraschend positiv. So wurde hier nicht gejammert. Die drei Redner haben die Rosarote Brille der Vergangenheit abgelegt und sehen auch für die Zukunft nicht rot.

So antwortete Mark Dittli auf die Frage wie sich der Journalismus in den letzten Jahren unter dem Zeitdiktat verändert habe „Journalismus stand immer schon unter einem Zeitdiktat“. Wie wir alle wissen, wird im Nachhinein alles immer schöngeredet, so auch die alten Zeiten des Journalismus. Der Diskussion konnte man entnehmen, dass selbstverständlich ein gewisser Zeitdruck herrscht. Die Redaktionen achten jedoch darauf, dass man sich auch mal mehr Zeit für die Recherche rausnehmen darf, wenn die Geschichte etwas taugt.

Wie Christoph Lenz so schön sagte „Zeitdruck ist der Kern des Journalismus“, so war es schon immer und so wird es wohl auch bleiben.

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