“Junge Menschen sind unterinformiert”

Am Journalismustag 15 haben Mark Eisenegger und Jörg Schneider vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) ein Referat zum Thema „Welche Qualität bei Nutzern ankommt – Medienrepertoires und Qualitätsbilanzen“ gehalten. Sie bezeichneten die Mehrheit der jungen Menschen als ausschliessliche Softnews-Leser.

Von Max Fischer, Damian del Fabbro, Yves Geng, Maurus Felber, Lyle Erb, Anja Raaber, Daria Frick, Jessica Jocham


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(Mark Eisenegger, Forschugsinsitut Öffentlichkeit und Gesellschaft; Foto: Max Fischer)

Vor knapp zwei Wochen veröffentlichte das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) die sechste Auflage des Jahrbuchs Qualität der Medien. Einen Aspekt daraus nahmen Mark Eisenegger und Jörg Schneider, Angehörige der Institution, am heutigen Journalismustag 15 an der ZHAW Winterthur in einem Referat auf. In Zusammenhang mit dem Thema „Welche Qualität bei Nutzern ankommt – Medienrepertoires und Qualitätsbilanzen“ , definierten Sie die Mehrheit der jungen Menschen als ausschliessliche Softnews-Leser. Die im Referat vorgestellte Studie basiert auf 3’400 Onlineinterviews die von 2009 bis 2015, in der Deutsch- und Westschweiz mit 16 bis 69 Jährigen durchgeführt wurden. Dabei wurden Medienrepertoires erstellt, um festzuhalten, welche Medien in welchen Kombinationen und von wem genutzt werden. Somit kann der einzelne Nutzer näher definiert werden. Die am stärksten wachsende Nutzergruppe erhielt von foeg den Titel „News-Deprivierte“ sind im Durchschnitt 16- bis 29-jährig, nutzen keine zahlungspflichtigen Medien, sondern vermehrt Social Media Plattformen und Gratiszeitungen. Dadurch erfolgt eine unterdurchschnittliche News-Konsumation. Die Studie wurde hinsichtlich der Qualität der genutzten Medien erweitert. Daraus resultiert, dass die von „News-Deprivierten“ genutzten Medien, vermehrt episodische Softnews auf emotionaler Ebene publizieren. Das fög schliesst daraus, dass der Grossteil der „News-Deprivierten“ ungenügend über das Weltgeschehen informiert ist.

„Es braucht einen gesunden Mix aus Hard- und Softnews“. Diskussionen über das aktuelle Zeitgeschehen sollten in der Gesellschaft eine grössere Rolle spielen, so Eisenegger. Qualitätsmedien vernachlässigen die junge Zielgruppe, gleichzeitig wird an den Schulen die Wichtigkeit von qualitativen Medien zu wenig behandelt. Es besteht also ein Problem beim Angebot und bei der Nachfrage. Erschwerend hinzu kommt, dass keine klare Grenze zwischen Hard- und Softnews ersichtlich ist. Ein gutes Beispiel dafür sei der Verlust des Kindes von Peter Spuhler, sagt Mark Eisenegger. Die Berichterstattung anhand der Person Spuhler sei zwar Softnews, gehe es aber personenunabhängig um den Kindstod, seien es Hardnews.

Um die „News-Deprivierten“ auch mit qualitativen News zu erreichen, müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten. Das Bildungssystem muss die Jungen informieren, die Medienkanäle müssen attraktiver werden und Kanäle wie Youtube oder Facebook müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden, erklärt Eisenegger.

Infografik_Medienrepertoires (1)
(Grafik: Damian del Fabbro)

Doch ist die Mehrheit der Jugendlichen tatsächlich nicht nur schlecht, sondern auch unterinformiert. Grundsätzlich lässt sich an den Ergebnissen des fögs kritisieren, dass die News-Inhalte welche über Soziale Medien konsumiert werden, als generell schlecht bezeichnet werden, obwohl diese noch nicht untersucht wurden. Herr Eisenegger gab dies zu. Nichtsdestotrotz wird die Mehrheit der 16- bis 29-Jährigen als News-depriviert bezeichnet.

Geht man jedoch von diesem Fakt aus, so wirft dass die Frage auf, weswegen die jüngere Generation keine qualitativ hochstehend News-Inhalte mehr konsumiert. Dies könnte daran liegen, dass die kognitiven Fähigkeiten einer jüngeren Person schlichtweg noch nicht ausreichen, um ein wichtiges Thema wie zum Beispiel die Finanzkrise in seiner ganzen Komplexität zu verstehen. Tageszeitungen wie die NZZ die qualitativ hochstehende Nachrichten publizieren, sind mit ein Beweis für diese These. Der typische NZZ-Leser muss einen gewissen Bildungstand haben, um die Beiträge überhaupt verstehen zu können. Dass ein junger Erwachsener nicht denselben Bildungsstand hat wie ein 50-Jähriger, sollte dabei nicht zur Debatte stehen. Im Gegensatz zu den klassischen Medien haben dies einige Youtuber bereits erkannt. Interessierte finden zahlreiche Videos mit einfachen Erklärungen zu wirtschaftlichen und politischen Vorgängen und Gegebenheiten wie beispielsweise der Finanzkrise in Europa oder dem politischen System der USA.

Folgend finden alle Medienschaffenden ein paar Tipps von einer Gruppe nicht ganz so News-deprivierter ZHAW-Studenten:

  • Medienberichte mit komplexen, trockenen Themen zum Leben erwecken. Damit junge Erwachsene sich auch für harte Themen interessieren, müssen Beiträge ab der ersten Sekunde Aufmerksamkeit generieren. Lange Fliesstexte sind langweilig und ein paar lebendige Zwischentitel macht das nicht besser. Der ganze Beitrag muss leben. Mit viel, aber nicht zu vielen Bildern, einfachen Infografiken, mit gefilmten statt zitierten Quotes und mehreren interaktiven Schaltflächen statt strengen Spalten.
  • Social Media für Hard News nutzen. Social Media konfrontiert Nutzer mit überproportional vielen Softnews. Klassische Medienangebote sollten ein Zeichen setzen und mit Hardnews auf die Facebook-Nutzer losgehen. Ein News-Deprivierter, der Beiträge zu den wirklich wichtigen Themen des Weltgeschehens gut erklärt und kreativ, aber übersichtlich dargestellt in seinem Facebook-Feed entdeckt, liest auch diese Inhalte. Allenfalls klickt er gar auf eine der Infografiken, schaut sich dann das Video an und gelangt über Interaktion auf weitere Beiträge des jeweiligen Mediums.
  • Den Diskurs über News fördern. Was Gratiszeitungen und Boulevardjournale können, sollten klassische Medien schon lange können. Wieso nicht fragen, was Jugendliche zur Zusammenarbeit von Russland mit Syrien denken, statt, welches ihre Bachelor-Favoritin ist? Oder ob sie persönlich etwas von der Bankenkrise in der Schweiz merken, statt, wofür sie den Grossteil ihres Lohns ausgeben? Eine Online-Community existiert auch in diesem Medienrepertoire, die auf dem richtigen Weg aktiviert werden muss, um das Interesse an Hardnews zu fördern.
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