Medienrecht als Geschäftsmodell?

Emotional und empört: wenn Journalisten über Ethik diskutieren, geht’s zur Sache. So auch am heutigen #JourTag16 am IAM in Winterthur.

Text: Elisa Regli, Annina Notz und Isabel Mosimann

Edgar Schuler, Ressortleiter Tagesanzeiger und Vorstand quajou, zeigt einsteigend zur Paneldiskussion das Musikvideo „Din Job“ von Heinz de Specht.


Er stellt den Diskussionsteilnehmern die Frage ob die Medien bezüglich Persönlichkeitsschutz schlimmer geworden sind. Rena Zulauf, Medienanwältin, verneint diese Frage, sieht aber ein, dass Artikel immer schneller veröffentlicht werden müssen und dadurch die Qualität sinke. Ihre Erfahrung zeige, dass häufig keine Stellungnahmen mehr eingeholt oder Quellen nicht zureichend geprüft werden. Alle Teilnehmer sind sich einig, dass die Onlinemedien die Dynamik verändert haben.

Dominique von Burg, Präsident Presserat Schweiz, entgegnet, dass die Anzahl der Beschwerden an seine Organisation sich über die letzten zehn Jahre nicht erhöht habe. Sie würden heute aber häufiger durch Medienanwälte formuliert.

Arthur Rutishauser, Chefredaktor Tagesanzeiger und SonntagsZeitung, beschuldigt Anwälte, mit der Vertretung von Medienopfern ein lukratives Geschäftsmodell gefunden zu haben. Er ist der Meinung, dass die Medienanwälte mit ihrer Arbeit den Journalisten die Arbeit erschweren würden.

Redaktionen müssten sich teilweise Gedanken machen, ob ein Artikel überhaupt veröffentlich werden soll. Es fehle den Redaktionen schlicht an Zeit und Geld, sich mit den Klagen von Medienanwälten zu beschäftigen. Besonders wenn deren Klienten grosse Unternehmen mit entsprechenden finanziellen Mitteln seien. Stimmen aus dem Publikum unterstützen dieses Votum mit eigenen Erfahrungen, wie Redaktionen wochenlang mit Klagen blockiert wurden. Recherchejournalisten würden bedroht und die Drohung mit der Beschreitung des Rechtsweges würde als Mittel zur Verhinderung von kritischen Artikeln genutzt. Die Diskussion entwickelt sich in eine sehr emotionale Richtung. Das Panelthema „Ist den Medien Recht und Ethik egal?“ rückt in den Hintergrund und es entsteht eine gegenseitige Schuldzuweisung.

Trotzdem werden sich Cathérine Boss, Journalistin der Sonntagszeitung, und Rena Zulauf insofern einig, dass das gegenseitige Vertrauen sowie die Gesprächskultur nicht mehr vorhanden sind. Zukünftig müsse das verbessert werden.

Rena Zulauf abschliessend zum Dialog zwischen Journalisten und Medienanwälten und der Frage ob letztere die journalistische Arbeit einschränken:

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