Mit Micropayment und der Crowd zum Erfolg

In Zeiten abnehmender Leserzahlen behaupten sich zusehends junge Medienmarken. Projekte und Ideen für die Zukunft.

Er habe schon immer gesagt, dass Online- und Printredaktionen nicht zusammengeführt werden könnten: Watson-Gründer Hansi Voigt. Wer zuvor noch etwas unaufmerksam im Raum sass, wusste spätestens jetzt, dass nicht nur Online-Journalisten von diesem Podium angesprochen werden sollten.

Konkret ging es an diesem Podium um «Hansis grosse Hoffnung: Junge Journalisten-Start-Ups», wie der Titel zu erkennen gab. Nach einer Vorstellungsrunde der geladenen Start-Ups erzählte Voigt von seinen Visionen: Immer stärker würden die Verlage ihre Leserschaft verlieren. Neue kleine verlagsunabhängige Start-Ups treten teilweise an ihre Stelle, die allerdings Lösungen zur Finanzierung suchen müssen. Grosse Chancen setzt er dabei in die Methode Micropayment, wo für die Artikel Kleinstbeträge gezahlt werden.

Analog zur Musikbranche

Ähnlich wie in der Musikbranche, wo ein Radiosender pro Lied einen kleinen Rappenbetrag zahlen muss und sich das für den Künstler dann zusammenläppert, soll es auch für die Journalisten funktionieren, so seine Idee. Bislang dürften Journalisten ihre «Lieder» aber nur bei einem «Radio» spielen, was wenig Sinn ergebe. Hier müssten sich die Journalisten zusammentun und Lösungen finden, um ihre Inhalte zu vertreiben.

Auch auf Crowdfunding setzt Voigt, der einst 20 Minuten Online aufbaute, bei der Finanzierung junger Medienunternehmen. Erfolgreich auf diese Strategie zu sprechen ist das Start-Ups «Tsüri.ch», das sich ebenso präsentieren durfte. Es wurde einst gestartet, um zu zeigen, was Online-Journalismus alles machen kann.

Doch für Gründer Simon Jacoby wurde schnell klar, dass das Portal mehr als nur der Versuch sein soll, die Branche aufzurütteln. Mutiger und engagierter Lokaljournalismus soll es sein. Seit vergangenem Sommer umfasst das Projekt zwei Vollzeitstellen und auch die Autoren könnten bezahlt werden.

Keine Jagd nach Klicks

Ins klassische Schema eines Onlineportals passe «Tsüri.ch» indes nicht, so Jacoby. «Wir haben uns nicht der Jagd nach Klicks verschieben», so der Jungjournalist. Und dennoch verweilten seinen Angaben nach zwischen 20’000 und 30’000 Personen pro Monat auf der Seite – dies bei einer Verweildauer von zwischen 5 und 10 Minuten.

Gute Zahlen also im Vergleich mit renommierten Newsportalen, für ihn ist deshalb klar: «Wenn man jungen Leuten einen authentischen Journalismus präsentiert, dann sind sie durchaus interessiert.»

Der beste Moment für Berufseinstieg
Nicht nur Pessimismus verbreitete auch Angelo Zehr. Mit seinem Podcast «Journalismus Y» zeichnet er zusammen mit Kollege Luca Ghiselli in regelmässigen Abständen ein deutlich optimistischeres Bild der Zukunft der Branche als andere Kollegen. Er wird, wie auch an dieser Veranstaltung, nicht müde zu betonen, dass derzeit der beste Moment sei, um in den Journalismus einzusteigen.

Wer anstelle von düsteren Zukunftsblicken die Chancen der technologischen Möglichkeiten anerkennt, kann schnell zu demselben Ergebnis kommen. Auch die anderen Projekte stehen mehr oder weniger erfolgreich da und alle verfolgen dasselbe Ziel: Die Zukunft des Journalismus experimentell zu entdecken und mitzubeinflussen. Und die Beispiele auf dem Podium zeigen, dass der Journalismus sich nicht aufgeben soll, sondern sich bloss neu erfinden muss. Oder in den Worten von Simon Jacoby:

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