Recherchieren bedeutet Riskieren

Recherchiert, aufgedeckt – Polizeischutz und Bodyguards. Wie der deutsche Sportjournalist Hajo Seppelt über den russischen Dopingskandal berichtet hat und was die Konsequenzen waren.

von Laura Inderbitzin, Larissa Jurczek und Sharon Weibel

«Dachdecker leben länger als Journalisten» – dieser Satz eröffnete die Diskussion mit Hajo Seppelt am JournalismusTag.16. Seppelt ist das lebende Beispiel für diese Aussage: Der deutsche Sportjournalist musste zeitweise von Bodyguards auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Seppelt ist ein bekannter Recherchejournalist, der den riesigen Dopingskandal Russlands aufgedeckt hat – das erfreute die Menschen im Osten nicht. Nachfolgend sollen einige Kernfragen das Thema umreissen und beleuchten.

Weshalb benötigt Hajo Seppelt Personenschutz?
Nachdem er den Dopingskandal von russischen Sportlern aufgedeckt hatte, geriet die Teilnahme der Russen an der Olympiade in Rio in Gefahr. Dadurch wurde Seppelt in Russland quasi eine Persona non grata. Im russischen Fernsehen wurde er als “Bösewicht” (siehe Video) dargestellt und hatte mit Beleidigungen und Drohungen (siehe Tweets) zu kämpfen – darunter auch Morddrohungen. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat ARD entschieden, ihm Bodyguards zur Seite zu stellen.


Eine Russische Moderatorin provoziert gezielt Hajo Seppelt.

Hajo Seppelt wird auf Twitter angegriffen.

Wieso nahm Seppelt dieses Risiko auf sich?
Der Deutsche meinte im Panel, dass er zu Beginn nie erwartet hätte, welche grossen Dimensionen seine Geschichte annehmen würde – deshalb war er sich des Risikos zuerst gar nicht bewusst. Aus seinen Worten konnte man jedoch herauslesen, dass ihm der Respekt für manche Sportjournalisten, denen der aufdeckende, risikobringende Journalismus fern ist, fehlt. So sprach er abschätzig über Fussballreporter, die Spieler nach dem Match mit den immer gleichen Fragen “konfrontieren”: “Wie fühlen Sie sich?” oder “Wie stehen Ihre Chancen fürs nächste Spiel?”. Kritische Fragen fehlen. Er liess durchblicken, dass exakte Recherchen und bedeutende Geschichten für ihn erheblich mehr Wert haben.

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Moderatorin Josefa Haas diskutiert mit Hajo Seppelt.

Doch wie ist es Seppelt überhaupt möglich, im heutigen Journalismus so viel Zeit ins Recherchieren zu investieren?
Der freie Mitarbeiter des Senders ARD sagte mit Nachdruck: “Ich musste lange dafür kämpfen.” Doch heute habe er die Möglichkeiten, da viel Zeit rein zu stecken – und dafür sei er extrem dankbar. “Ich habe das Vertrauen von ARD, das ist von grosser Bedeutung.”

Seppelt erhielt nicht von jedem Unterstützung – welche Steine wurden ihm in den Weg gelegt ?
Man warf Seppelt beispielsweise vor, dass er doch eigentlich für den Sport werben sollte, statt diesen kaputt zu machen. “Ein Journalist wirbt nicht”, ist seine klare Meinung zu dieser Kritik, die oft aus den eigenen Reihen, also von anderen Journalisten, stammt. Immer wieder wurden Hajo Seppelt auch gefakte Informationen zugespielt. Er erhielt Videoaufnahmen, bei denen sicher herausstellte, dass sie nicht echt waren. Ebenfalls kriegte er E-Mails, die sich schlussendlich als Fake entpuppten.
Trotz allem gelang es ihm, den Skandal aufzudecken. “Am Anfang hätte ich das nie erwartet – nun hat es sich fast zu einer filmreifen Geschichte entwickelt”, meinte Seppelt abschliessend.

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