“Transparenz ist extrem wichtig”

Schwierig: Entscheiden, was gezeigt werden soll und was nicht. Das SRF hat eine überraschend simple Lösung für dieses Dilemma.

von Larissa Herzog, Vanessa Lanter und Jasmin Shirley

Beim Amoklauf im Juli dieses Jahres in München wurde sofort von Terror gesprochen. Laut Marlis Prinzing von der Hochschule Macromedia in Köln wurde 19-mal häufiger über Terror anstelle von Amok getwittert. Die Medien haben in diesem Fall viele falsche Informationen aufgenommen und verbreitet. Daraus folgte, dass schlussendlich von 67 Tatorten anstatt von einem die Rede war.

„Transparenz ist extrem wichtig“, behauptet Urs Leuthard, Redaktionsleiter der Tagesschau vom Schweizer Fernsehen (SRF). „Aber wir brauchen mehr Kompetenz bei uns Medienmachern“. In der heutigen Zeit gelangen viel mehr Informationen an die Redaktionen, weshalb es schwieriger ist, die gesicherten Fakten ans Publikum zu bringen. Aus diesem Grund geht das SRF nach der Strategie „noch mehr Sicherung, noch mehr Filter“.

„Wir haben ein Recht auf Informationen“, entgegnet Daniel Messelken, vom Ethik-Zentrum der Uni Zürich. Doch erhält das Publikum durch die Verbreitung von gefilterten Informationen eine transparente Berichterstattung?

img_0878
Marlis Prinzing, Urs Leuthard und Daniel Messelken am Journalismustag 2016 an der ZHAW.

Urs Leuthard nimmt bezüglich dieser Frage Stellung, indem er angibt, dass gewisse Beiträge dem Publikum nicht zugemutetwerden können. Insofern sieht sich das SRF verantwortlich für die Informierung der Bevölkerung. Daniel Messelken stimmt Leuthard in diesem Punkt zu, indem er sagt: „Man muss sich überlegen, wie viel Raum man dem Täter für seine Selbst-Propaganda gibt.“ Denn die Heroisierung der Täter kann zu Nachahmungen führen. Man würde damit die Strategien der Täter, die Öffentlichkeit einzubeziehen, fördern.

Die Entscheidung, was gezeigt wird oder eben nicht, ist heikel. Über die Entscheidungsstrategie des SRF, sagt Urs Leuthard, sei man sich einig: „Auch in schwierigen Situationen muss man sich auf sein Bauchgefühl verlassen“.

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s