«Fast Journalism ist vergleichbar mit Fast Food»

Ist das Handwerk der Sprache heute überbewertet? Res Strehle sagt nein und fordert von Journalisten einen weniger saloppen Sprachgebrauch.

Text: Anne Farkas, Deborah Antonica, Robin Donati, Andrea Schüpbach, Lucas Herold, Nicolas Wüst

Bilder: Deborah Antonica

Aleksandra Gnach IAM, Urs Bühler NZZ, Res Strehle MAZ/Tamedia

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Es stellt sich die Frage, ob Zeitdruck die Qualität der Sprache beeinträchtigt. Doch was ist überhaupt Sprachqualität?

Res Strehle, Präsident der Journalistenschule MAZ und Berater des Qualitätsmanagements von Tamedia, meint: «Schwierig wird es, wenn man von Anfang spielerisch schreiben möchte, ohne dass man das Journalisten-Handwerk beherrscht.» Beispielsweise wird der Konjunktiv zu wenig und der Dativ zu viel gebraucht.

Floskeln an den Nagel hängen

Ebenfalls kritisch betrachte er den übermässigen Gebrauch von Helvetismen und Floskeln, wie «grünes Licht geben» oder «das Handtuch werfen.» Diese Trends würden seiner Meinung nach die Qualität der Sprache verschlechtern und sollen durch generalisierende Vorschriften aufgehoben werden. Aleksandra Gnach, Professorin am IAM, sieht es nicht so schlimm: «Die Sprache wandelt sich ständig und zurzeit werden Normen weniger wichtig.»

Das Schreiben ist und bleibt ein Handwerk. Darüber sind sich die Kommentatoren einigAleksandra Gnach meint, die Zeit fehle aber nicht unbedingt beim Journalisten. Der Gesamtprozess werde mehr und mehr gekürzt. Daraus liesse sich schliessen, dass Anspruch auf Sprachqualität zur wirtschaftlichen Frage und somit zum Luxus wird. Dies zeige sich verstärkt unter anderem durch die Auslagerung von Korrektoraten.

Ein Lösungsansatz für eine verbesserte Sprachqualität bieten laut Res Strehle redaktionsinterne Regelungen und Vorschriften. Ein Beispiel dafür sei das Handbuch zur «Qualität in den Medien» von Tamedia. Die Teilnehmenden sind sich einig, dass mit dem Gebrauch dieser Richtlinien und mithilfe des Lektorats eine hohe Qualität sichergestellt wird.

Das Gegenlesen durch eine Zweitperson und die Besprechung innerhalb eines Teams seien bei Printmedien enorm wichtig und würden auch in Zukunft aufgrund des allgemeinen Qualitätbedarfs im Journalismus bestehen bleiben.

Kritik fördert Qualität

«Anhand von produzierten Texten kann ganz klar erkannt werden, in welchen Redaktionen oder sogar in welchem Teams ein journalistisches Produkt entstanden ist», sagt Yann Cherix, Redaktionsleiter bei Züritipp.

Seiner Meinung nach haben die meisten Journalisten eine narzisstische Ader, was eigene Produktionen betreffe. Diese Eigenschaft wirke sich negativ auf das Endprodukt aus. Die Kultur des Kritisierens müsse zwingend diskutiert werden. Genau diese Ressource werde aufgrund des allgemeinen Zeitdrucks angezapft, Kritikkämpfe müssen verhindert werden.

Eine interne Leitlinie, wie das Buch über die Qualität im Journalismus eigne sich durchaus als Theorie für eine Weiterbildung, finde jedoch im journalistischen Alltag nicht zwingend Anklang. Innerhalb einer journalistischen Redaktion werde die interne Leitlinie auf den Boden der Realität zurückgeholt und zeichne sich vor allem durch das Gegenlesen von Teamkollegen aus.

Yann Cherix, Redaktionsleiter bei Züritipp

Kommentar

Res Strehle gibt sich bei der Handhabung von Sprachqualität etwas konservativer als seine Gesprächspartnerin. Aleksandra Gnach sagt, dass sich die Ausdrucksweise von Menschen mit der Zeit stetig ändert und man sie nicht generalisieren könne. Er hingegen ist der Meinung, dass ein geregelter Umgang vorteilhaft sei. Es sind sich beide Gäste einig, dass grammatikalische Qualität im Journalismus einen hohen Stellenwert hat und auch in Zukunft haben soll. Nicht restlos geklärt ist für uns die Frage, welche definitive Faktoren zum Status Quo beigetragen haben. Es wäre interessant, auch Meinungen aus anderen Sparten der Medien zu hören und die insgesamt etwas oberflächlich ausgefallene Diskussion zu intensivieren.

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