Mit Recherchenetzwerken zu mehr Transparenz

Die Zusammenarbeit von mehreren Medien gibt Journalisten neue Möglichkeiten. Besonders für regionale Kanäle bietet ein Recherchenetzwerk neue Ressourcen und Perspektiven.

Da nicht jede Recherche erfolgreich ist und man als Journalist oft allein nicht zu dem gewünschten Ergebnis kommt, haben sich verschiedene Medien zusammengeschlossen. Die Zürichsee Zeitung (ZSZ), die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und das St. Galler Tagblatt haben unter der Leitung von Conradin Knabenhans (Redaktionsleiter ZSZ), Jörg Krummenacher (NZZ-Korrespondent) und Andri Rostetter (stv. Chefredaktor St. Galler Tagblatt) sich zu einem Recherchenetzwerk zusammengeschlossen. Vorteile eines Recherchenetzwerkes sind, dass effizienter gearbeitet werden kann, mehr Ressourcen zur Verfügung stehen und die Ergebnisse ein grösseres Publikum erreichen.

Das Ziel der Recherche war, für Transparenz in den Kantonen zu sorgen. Nachdem 2015 ein neues Öffentlichkeitsgesetz in St. Gallen erlassen wurde, fragte das Netzwerk bei den Gemeinden um Lohnangaben der Gemeindepräsidenten an. Dies wurde von allen Gemeinden mit Berufung auf den Persönlichkeitsschutz abgelehnt. Da dies gegen das neue Gesetz verstiess, haben die ZSZ, NZZ und das St. Galler Tagblatt gemeinsam in der Gemeinde Gommiswald Klage erhoben. Überraschenderweise ermutigten der St. Galler Justizchef Freddie Fessler und sein Generalsekretär in einem Hintergrundgespräch das Vorgehen und betonten, dass Transparenz vorgehe. Der Klage wurde rechtgesprochen und auf erneute Anfrage gaben die Gemeinden die Löhne gezwungenermassen bekannt. Diese Ergebnisse veröffentlichten die Zeitungen online und Print.

Bei der Zusammenarbeit gab es untereinander keine starke Konkurrenz, sondern eher Harmonie und Vertrauen. Um das Öffentlichkeitsgesetzt zu verbreiten und zu nutzen, waren diese Voraussetzungen grundlegend.

„Sauberes journalistisches Arbeiten und Grundvertrauen sind für eine
gute Zusammenarbeit essentiell“

– Jörg Krummenacher (NZZ)

Im Recherchenetzwerk ordneten sich die Zeitungen die Aufgaben wie Recherche und Datenmanagement (ZSZ), das Backoffice (NZZ) und die Aufteilung der Gemeinden zu (St. Galler Tagblatt). Dies vereinfachte die Recherche und erlaubte eine breitere regionale Abdeckung. Zusätzlich profitierte das Netzwerk von der Unterstützung und den Ressourcen der Tamedia AG. Neben finanzieller Unterstützung, wie z.B. für die Verfügung in Gommiswalden (Kostenpunkt 500 CHF), konnten auch Ressourcen beim Schriftwechsel mit den Gemeinden genutzt werden.

Das gemeinsame Auftreten des Recherchenetzwerkes stärkte das Bewusstsein, dass sämtliche Medien der Region zusammenstehen. Der Erfolg dieses Projektes ebnete den Weg für zukünftige gemeinsame Recherchenetzwerke. Laut Jörg Krummenacher wird der Journalismus wieder stärker und nicht schwächer.

 

Matthias Grewe-Rellmann, Anna Janssen, Stephanie Kirchmann, Luana Beerli, Simone Rüegg, Elfie Suter

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